Goldener Saft - Silberregion Karwendel

Goldener Saft

aus Schwazer Gärten

BIS ZU 70.000 LITER SAFT ENTLOCKT DIE OBSTPRESSE DES
OBST- UND GARTENBAUVEREINS SCHWAZ JÄHRLICH DEN
FRÜCHTEN DER SILBERSTADT. DASS ER ZU EINER ART

„Apfelsaftsommelier“


WURDE, WÜRDE OBMANN WALTER KREIDL NICHT
BEHAUPTEN, ABER: „ICH MAG IHN NARRISCH GERN.“

Es ist schon auch dramatisch, was da passiert. Für die Früchte jedenfalls. Für sie wird es im Zuge dieser Prozedur eng und immer enger. Der Druck zwischen Walzen und Netz erhöht sich unerbittlich und was einst eine stolze, schöne Frucht war – ob Apfel, Birne oder Weintraube – wird in dieser Maschine recht gnadenlos zu einem matschigen Etwas verwandelt, einem „Baatz“. Der ist aber nur ein Ende dieser Geschichte. Das andere Ende, das schöne, schmeckt köstlich, ist überaus gesund und ehrt die Früchte noch lange Zeit mit jedem Schluck. „Der Saft aus den eigenen Früchten wird wieder mehr geschätzt. Das hat in den letzten Jahren enorm an Wert gewonnen“, weiß Walter Kreidl. Die stolze Freude, mit der die Früchte erst in großen Körben zur Schwazer Obstpresse gebracht, um nach der Verwandlung in Flaschen mit nach Hause genommen zu werden, hat schon was. „Es ist schön“, sagt Walter. Und es schmeckt.

Walter Kreidl ist Obmann des Obst- und Gartenbauvereins Schwaz. Viele Jahre schon. „Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, erzählt er in der Erinnerung schmunzelnd. Der Verein war auf der Suche nach einem Obmann gewesen. „Und meine Frau, die Agnes, sagte: Das machst du.“ Wie hätte er da noch Nein sagen können? Das war vor über 15 Jahren und eine der ersten Aktionen des damals neuen Vereinsvorstands, dem Obstpressen neues Leben einzuhauchen.

Der elegante Weg
„Es gab damals eine alte Presse. Die ist im Bauhof unten gestanden, doch da hatten wir kaum Platz“, erzählt Walter. „Durch Zufall haben wir von dem alten Schupfen bei den Schwestern oben erfahren.“ Bei den Schwestern oben heißt übersetzt, im Kloster der Tertiarschwestern oder eben „im Fuggerhaus“ in der Ludwig-Penz-Straße 21 in Schwaz. Der Raum wurde ausgebaut, gefliest und so gestaltet, dass er stets sauber gehalten werden kann. Das getan, installierten die Mitglieder des Vereins die Obstpresse in ihrem neuen Heim ... und legten rasch los: „Das haben wir in erster Linie für die Mitglieder gemacht, weil die zum Teil viel Obstbau haben – manche mehr, manche weniger.“

Egal ob mehr oder weniger: Die Tage eines Sommerapfels beispielsweise sind recht rasch gezählt. Innerhalb von drei Wochen sollten er und seine Geschwister verzehrt oder verarbeitet werden. Sonst sind sie hin. Den erfolgreich erntenden Schwazern bleiben – wie allen Sommerapfelliebhabern der Welt – nur wenige Möglichkeiten, diese kurze Zeitspanne zu nutzen. Entweder so viele Äpfel so schnell wie möglich essen oder sie wochenlang auf Kuchen oder in Strudeln genießen. Beide Varianten haben jedoch ihre Tücken, ob im Darm oder auf den Hüften. Zu Apfelmus können sie verarbeitet oder sonstwie eingeweckt werden. Ja, es gibt schon Möglichkeiten, die Halbwertszeit eines Apfels zu verlängern. Keine ist aber so elegant und keine erhält den Apfel so frisch wie das Pressen. Für lediglich tetrapack-erfahrene Saftfreunde wirkt überraschend, dass aus einem Kilo Äpfel etwa 0,6 bis 0,7 Liter Saft gepresst werden können. Walter: „Das möchte man nicht meinen, wenn man einen Apfel isst, gell.“

Mit einer sogenannten Backenpresse rückten Walter und sein Team dem Obst anfangs zu Leibe. Eine mühsame Prozedur war das: Einpacken der Äpfel in Tücher, pressen, auspacken, wieder einpacken, pressen – und jeden Abend die Tücher waschen, damit am nächsten Tag alles wieder sauber war. 2010 hat der Verein die Bandpresse gekauft und Walter erklärt: „Das ist einfacher und funktioniert in etwa so wie eine Straßenwalze, die den Asphalt verdichtet.“ Unerbittlich eben. „Unten rinnt der Saft in eine Wanne und kommt durch die Zentrifuge, die schweren Teilchen gehen nach außen“, so der Obmann. Der goldene Saft – das Ziel der ganzen Prozedur – wird in Flaschen abgefüllt, Most in einem Bottich oder Fass. An einer kleinen Handpresse können Schulkinder regelmäßig selber werkeln und ihren Saft dann auch trinken. „Das ist immer nett“, sagt Walter, der zudem festhält: „Je nachdem wie der Sommer ist, werden jährlich zwischen 20.000 und 70.000 Liter Saft gepresst.“

Apfelsaft

IST EIN WUNDERBARES GETRÄNK.

Walter Kreidl

Birnen müssen knackig sein
Es sind natürlich nicht nur Äpfel, denen die Obstpresse den Saft entlockt. Auch Weintrauben haben im Fuggerhaus ihren letzten großen Auftritt. Oder Birnen. „Bei Birnen ist es wichtig, dass sie knackig sind“, weist Walter darauf hin, dass sich mehlige Birnen nur schwer bis gar nicht eignen. Die Vielfalt der Schwazer Säfte ist jedenfalls enorm. Kein Wunder angesichts all der Sorten, die in den Gärten gehegt und gepflegt werden: „Wir haben in Schwaz viele gute Sorten, nicht narrisch moderne, sondern auch ältere Bäume, die schon 30 bis 40 Jahre da stehen.“

Dass es sein kann, dass 70.000 Liter Saft das Fuggerhaus ab Ende August – zur Erntezeit eben – verlassen, liegt nicht nur daran, dass die Obstpresse für alle da ist, also auch für „Vereinsfremde“, sondern nicht zuletzt auch am enormen Zulauf, den der Obst- und Gartenbauverein in den letzten Jahren erfahren hat. Zu Beginn seiner Obmannzeit zählte der Verein knapp 150 Mitglieder, heute sind es über 600. „Das freut mich schon sehr“, sagt Walter stellvertretend für das Vereinsteam, das in der „Saftzeit“ alle Hände voll zu tun hat, die Presszeiten zu organisieren wie die Maschine selbst. Die Obstpresse, gezielte Baumaktionen und viel Aufklärung beziehungsweise Unterstützung bei der Baumpflege trugen dazu bei, dass immer mehr Schwazer immer mehr Spaß mit immer mehr Bäumen haben.

0,7

Liter Saft können etwa aus einem Kilo Äpfel gepresst werden

Vom Sündenfall bis zum Reichsapfel
Apfelbäume sind ja auch prächtig, ob im Frühling, wenn ihr Duft Bienen anlockt und ihre zwischen Weiß und Hellrosa mäandernde Blütenpracht das Auge erfreut, oder eben, wenn sich die Früchte im Laufe des Sommers entwickeln und im Herbst prall und bunt die Äste biegen. Keine andere Frucht ist derart symbolbehaftet wie der Apfel. Vom Sündenfall im Paradies über den Apfel als Begleiter von Liebesgöttinnen oder dem Fruchtbarkeitsgott Dionysos bis hin zum Reichsapfel als Machtsymbol – seit der Steinzeit entwickelte er sich mit den Menschen, die es verstanden, diese Frucht zu ehren. Auch in Schwaz, wo sich rund um die Obstpresse längst eine Kennerschaft entwickelt hat. „Es ist schon interessant zu wissen, wie wo was schmeckt“, sagt Walter. Der sortenreine Golden-Delicious-Saft etwa ist mild und hell und auch für Menschen mit empfindlichem Magen geeignet: „Der Boskoop hingegen hat eine starke Schärfe, ist dunkler, weil er mehr Säure hat und mehr oxidiert.“ Eine wunderbare Frucht ...

Info

Die Obstpresse des Obst- Und Gartenbauvereins Schwaz beginnt ab Ende August „zu arbeiten“. Der Sitz befindet sich im Fuggerhaus, Ludwig Penz-Straße 21, Presstermine werden dann unter der Nummer +43(0)680/1273748 vergeben.

Genusszeit

Loas
Schnitzel

Mit jedem Schritt, der auf dem Weg zur Loas gesetzt wird, rückt eine innere Ruhe näher.

Goldgelber
Silbergenuss

Mit den Silberblattlkrapfen verneigen sich die Wirtsleute des Schwazer Traditionsgasthofs …

Goldener
Saft

Bis zu 70.000 Liter Saft entlockt die Obstpresse des Obst- und Gartenbauvereins Schwaz jäh…

Marschall
Bier

30 verschiedene Sorten Bier.

Ofenleber

Kulinarische Glückseligkeit.

Thomasradeln

Wenn Christl Höger im Nockhof über Terfens das Backrohr einheizt, wird einem warm ums Herz.

Da
staunen auch die Bienen

Bestechende Argumente und Geschmacksexplosionen.

Borstenvieh
& Schweinespeck

Wer ihren Hofladen verlässt, ist doppelt gut bestückt - mit herzhaft Gutem und gutem Gewis…