Im Gschlössl dahoam - Silberregion Karwendel

Ein Ort, wo die
Zeit still steht

DIE BURG 

Freundsberg 

WIRD VON EINHEIMISCHEN NUR DAS GSCHLÖSSL GENANNT. 
AM GESCHICHTSTRÄCHTIGEN ORT IST NICHT NUR EIN MUSEUM 
UND EINE KIRCHE, SONDERN AUCH DIE BURGSCHENKE
UNTERGEBRACHT, ZU DER DAS BURGFRÄULEIN ANDREA SCHEIBER 
EINE GANZ BESONDERE BEZIEHUNG HAT.

In Schwaz wacht auf einem Hügel eine weithin sichtbare Burg über die Silberstadt. Es ist die Burg Freundsberg. Glaubt man dem Tiroler Topografen Johann Jakob Staffler, sollen bereits die „kriegsklugen Römer“ in vorchristlicher Zeit an diesem strategischen Ort eine Befestigung, ein Kastell errichtet haben, wie Staffler 1842 schrieb. Der Name der Burg geht auf die 1122 erstmals urkundlich erwähnten Herren von Freundsberg zurück, die sich als Dienstmänner der Grafen von Andechs verdingten und dergestalt zu hohem Ansehen gelangten. Vom Geschlecht der Herren von Freundsberg ist heute nur noch der Name geblieben. Von der ursprünglichen Anlage, deren älteste Mauerreste ins 12. Jahrhundert datiert werden, ist nur noch der Burgfried – der Turm – erhalten geblieben. Beim Neubau um das Jahr 1230 herum wurde auf diesen ältesten, romanischen Teil der Anlage aufgebaut. Sigmund der Münzreiche, einer der Tiroler Landesfürsten, gelangte 1467 in den Besitz der Burg, die er zum Jagdschloss ausbauen ließ und fortan als „Sigmundsruh“ bezeichnete. Um 1630 wurden der Palais und die Kapelle zu einer neuen Schlosskirche im Renaissancestil umgebaut. Der bayrische König Ludwig I. überließ schließlich 1812 die Burg der Gemeinde Schwaz als Geschenk. In deren Besitz steht die Burg Freundsberg noch heute. 

Im Gschlössl dahoam 
In der Burg ist heute eine Gaststätte untergebracht, der Turm beherbergt das Schwazer Heimatmuseum. Wo einst der Adel residierte und sich nach dem Halali zum Feiern und Ruhen zurückzog, da führt nun ein Burgfräulein das Regiment. Andrea Scheiber ist eine Bleibergerin. So heißt der Ortsteil um die Burg Freundsberg herum. „Ich bin da heroben geboren und aufgewachsen“, sagt die Wirtin, deren Tante mit ihrem Mann 35 Jahre lang die Gastronomie in der Burgschenke geführt hat. Danach war die Schenke einige Jahre lang in anderen Händen, ehe sie wieder in Andrea Scheibers Familie zurückgefunden hat. Für die lebenslustige Frau fühlt es sich deshalb an wie eine Rückkehr. Eine Rückkehr in vertraute Gemäuer, die sie von Kindesbeinen an kennen und lieben ge-
lernt hat. „Meine Mutter hat hier bei der Tante gearbeitet. Hier hat sie auch meinen Vater kennengelernt. Genau da drüben, wo früher der Stammtisch und die Bar waren“, erzählt Andrea und deutet auf eine Ecke im kleinen, eng bestuhlten Schankraum. Auf der Burg wurde also der erste Schritt, der Grundstein für die Existenz der heutigen Wirtin gelegt. Eine schöne Fügung, die man sich kaum besser ausdenken könnte. Die Tante, die lange Jahre die Burgschenke geführt hat, ist zugleich die Taufpatin von Andrea Scheiber. Das Elternhaus, in dem sie aufgewachsen ist, liegt direkt unterhalb der Burg, nur einen Steinwurf entfernt. „Die meiste Zeit meiner Kindheit habe ich aber hier heroben verbracht. Über den Waldweg ist man vom Elternhaus weg in zwei Minuten hier beim Gschlössl“, sagt Andrea Scheiber, der Freundsberg wieder zum Zuhause geworden ist. Das Gschlössl, wie die Einheimischen ihre Burg liebevoll nennen, ist Andreas Dahoam, der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens: „Das Gschlössl ist mein Dahoam. Hier fühle ich mich wohl, hier wohne ich.“ Für die Hausherrin ist es wichtig, dass die Burg bewohnt ist. Auch deshalb, weil viele historische Schätze in den Mauern der Burg verborgen sind, die sich im Rahmen eines Besuchs erkunden lassen. „Man merkt es einfach, wenn immer jemand da ist“, weiß die Wirtin. Wie man wohl als Burgherrin in einem derart alten und geschichtsträchtigen Gemäuer wohnen mag? Ein Lächeln macht sich auf Andrea Scheibers freundlichem Gesicht breit: „Cool. Es ist echt cool.“ Als sich die Gelegenheit ergeben hat, die Burgschenke zu pachten, musste Andrea Scheiber folglich nicht allzu lange überlegen: „Keine Sekunde. Als ich gehört habe, dass die Burgschenke frei wird, habe ich sofort meine Familie und meinen Partner zusammengeholt und mir die Rückendeckung geholt, mich für die Nachfolge zu bewerben.“ Eine Aufgabe, die ohne den Rückhalt der Familie gar nicht zu schaffen ist, fallen im Areal doch neben der Gastronomie auch andere Aufgaben, wie etwa die Betreuung und Pflege des Gartens, an. Ausdrücklich lobt das Burgfräulein die gute Zusammenarbeit mit der Stadt: „Um das Wahrzeichen der Stadt Schwaz sind natürlich alle sehr bemüht. So muss es auch sein.“ 

JETZT HAB ICH'S
WIEDER, MEIN

Gschlössl.

Andrea Scheiber

Geschichtsträchtiges Ambiente
Der Schankraum fasst höchstens 30 Sitzplätze, im Rittersaal eine Etage höher finden 40 Personen Platz. Bis vor wenigen Jahren beherbergte der Raum noch ein Kulturlager der Stadt und wurde kunstvoll und nach den Vorbildern der Vergangenheit zum Rittersaal umgestaltet. Dort finden noch heute in regelmäßigen Abständen ritterliche Sippungen statt. Über den Saal wacht eine lebensgroße, geschnitzte Darstellung von Jörg von Fruntsperg. Der Innenhof ist vor allem an brütend heißen Sommertagen eine wahre Wohltat, da die dicken Burgmauern der sengenden Hitze des Hochsommers keine Chance lassen. Die angrenzende Schlosskirche ist wunderschön und wird gerne für Hochzeiten genützt.

Andrea Scheiber ist ins Gschlössl heimgekehrt.

Gutbürgerlich und einheimisch
In kulinarischer Hinsicht kredenzt man auf der Burg bevorzugt gutbürgerliche einheimische Gerichte, die auch von den internationalen Gästen mit Begeisterung aufgenommen werden. „Ein saurer Graukäse, eine Brettljause, Kasspatzln oder ein Tiroler Gröstl sind für viele unserer Gäste ein Highlight. Wir sind in Tirol und haben die Verpflichtung, unsere heimische Küche zu präsentieren“, meint Andrea Scheiber. Dementsprechend gibt es im Gschlössl auch regionale Schmankerl, die fast in Vergessenheit geraten sind. Der Donnerstag steht im Zeichen der Tiroler Blattln mit Sauerkraut, am Sonntag gibt es ofenfrischen Schweinsbraten. Die Burg Freundsberg ist eine Attraktion, die auch eingesessene Unternehmen ihren ausländischen Gästen sehr gerne zeigen. Einmal im Monat gibt es einen Brunch mit musikalischer Umrahmung auf der Terrasse. Diese ist ein ganz besonderes Kleinod im Gschlössl. Dort kann man, an der Außenmauer des Turms entlang, den Blick über die Silberstadt schweifen lassen und die Umgebung einfach auf sich wirken lassen. Die Möglichkeiten,
welche die Burgschenke in dieser Umgebung bietet, sind mannigfaltig. An manche muss sich die Wirtin, die erst im Oktober des vergangenen Jahres auf die Burg Freundsberg heimgekehrt ist, erst herantasten. Geöffnet hat die Burgschenke von Dienstag bis Samstag zwischen 11:30 und 22:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bis 20:00 Uhr. Sollte es einmal länger dauern, ist das für Andrea Scheiber und ihr Team auch kein Problem. „Das ganze Team fühlt sich hier heroben wohl, obwohl das Arbeiten in der Burg mit ihren vielen verwinkelten Räumen und weiten Wegen nicht gerade einfach ist“, zeigt sich die Wirtin dankbar. Mit ihrer „kleinen, feinen, süßen Bar“, die nicht mehr als ein paar Quadratmeter Raum in Anspruch nimmt, will die gesamte Burg mit Getränken aller Art beschickt werden. Eine Herausforderung, der sich Andrea Scheiber aber gerne stellt. Ein ganz besonderer Raum, der auch gastronomisch genutzt werden kann, wäre hier beinahe unterschlagen worden. Dieser Raum liegt im Turm, und dort, wo heute bei Feierlichkeiten schallendes, ausgelassenes Gelächter ertönt, gab es in früheren Zeiten so gar nichts zu lachen. Richtig, es geht um das Verlies. „Dort im Turm, ganz unten im Verlies, steht ein großer, hoher Tisch, an dem 14 Personen bequem Platz finden“, erzählt die Burgherrin. Um dorthin zu gelangen, wollen unzählige Stufen überwunden werden, zuerst nach oben, dann nach unten, mit Speisen und Getränken. Eine echte Knochenarbeit und sportliche Herausforderung für die Kellner.

Burg Freundsberg, das Gschlössl, das Wahrzeichen von Schwaz, ist bei Andrea Scheiber und ihrem Team in allerbesten Händen. „Ich war noch nie so glücklich wie jetzt. Jetzt hab ich's wieder, mein Gschlössl“, freut sich Andrea Scheiber, und ihr Glück könnte man fast mit Händen greifen. Von der leidenschaftlichen Gastronomie und vom erhebenden Ausblick auf die Silberstadt kann man sich bei einem Besuch am besten selbst ein Bild machen. Erreichbar ist das Schwazer Wahrzeichen entweder mit dem Auto, per Bus oder auf Schusters Rappen über einen kleinen, idyllischen Steig.

DAS GSCHLÖSSL, WIE DIE EINHEIMISCHEN
DIE BURG LIEBEVOLL NENNEN, IST ANDREAS

Dahoam,

DER DREH- UND ANGELPUNKT IHRES LEBENS.