Da staunen auch die Bienen - Silberregion Karwendel

Honigkreationen

Da staunen auch die Bienen

KLAUS FARTHOFER SPRENGT GRENZEN. SEINE HONIGKREATIONEN STELLEN ALLES GEKANNTE IN DEN SCHATTEN. ES SIND GESCHMACKSEXPLOSIONEN IM ZEICHEN DER BIENE.

Erst einmal wird nicht geredet. Erst einmal wird gekostet. So gerne Klaus Farthofer auch über seine Bienen, den Honig und die Imkerei spricht, so schweigsam ist er – erst einmal. „Probieren, dann reden“, sagt er knapp. Der Imker aus Schwaz weiß offensichtlich genau, warum er diese Reihenfolge strikt einhält. Auf einem schönen Probier-Präsentier-Gerüst stehen allerlei Gläschen, allesamt mit dem klaren, stimmigen Logo der Imkerei Farthofer versehen. Klassische mit Schraubverschluss sind dabei und noch klassischere Einweckgläser mit dem bekannten roten Gummiring. In einer kleinen Schüssel liegen kleine Löffelchen. Und schon geht’s los.

Der Imker schraubt das erste Glas auf, nimmt einen Löffel und taucht ihn ein. Eine schöne dunkelbraune Honigmasse holt er hervor und der Honig schmeckt so satt und samt und tief und lecker, wie richtig guter Honig schmeckt. „Das ist unser normaler Honig“, erklärt er und es ist klar, dass mit dem Wort „normal“ eine gewisse Spannung aufgebaut wird.
Anfang Oktober erst wurde dem Schwazer mitgeteilt, dass sein Honig mit 80 von 80 Punkten die höchste Punktezahl bei der Honigprämierung des Landesverbandes für Bienenzucht erreicht hat. Ja, auch bei Honig gibt es Tester, die ähnlich wie ihre bekannteren Kollegen bei Wein oder Schnaps aus vielen kleinen sensorischen Einzelheiten und wissenschaftlich nachweisbaren Fakten das Gesamtwerk zu beurteilen vermögen. Es ist dies nicht die erste Goldmedaille für die Produkte der Familie Farthofer, zu der nicht nur Menschen, sondern ganz schön viele emsige Bienen zählen. Ihre Stöcke sind recht gerecht in der Silberregion verteilt. Im eigenen Garten in Schwaz stehen sie, in Vomperbach, am Weerberg, am Pillberg, in Gallzein und in Stans. An ihren verschiedenen Standorten werden sie betreut und mit viel Hingabe dazu überredet, ihren Honig einzutauschen. „Ab dem Frühjahr, wenn sie anfangen zu fliegen, bin ich jeden neunten Tag bei jedem Stock, außer, es hagelt Elefanten oder ich mache was mit der Zucht der Bienenköniginnen. Zu oft in die Stöcke zu schauen, ist gar nicht gut. Das mögen sie nicht“, weiß Klaus.

BESTECHENDE ARGUMENTE
Er kennt seine Bienen gut, weiß, wie sie reagieren, und bekommt ihre Laune ab und zu auch zu spüren. Ihre Argumente sind dann bestechend: „Wenn man selbst ruhig ist, sind sie sanft. Es kann aber auch sein, dass sie lustiger sind – wenn ein Gewitter kommt beispielsweise.“ Was Bienen nicht leiden können, ist Schweiß oder der Geruch, wenn jemand aus einem Kuhstall kommt. „Riechst du normal, so, wie ein Mensch halt riecht, tun sie nichts“, sagt er.

Sein Vater hat vor 58 Jahren angefangen mit „den Bienen“ und Klaus Farthofer ist mit ihrem Rhythmus und der Faszination, die sie bei einem derart Infizierten ein Leben lang aufrechtzuerhalten vermögen, aufgewachsen. Irgendwann bekam er seinen ersten eigenen Stock, dann interessierten ihn auch andere Bienen und dann stellte sich die Frage, ob oder ob nicht er die Imkerei weiterführen würde. Seine Antwort lautete ja. Zu lange schon hatten ihn die Bienen gepackt und nicht mehr losgelassen. „Das Tier weiß, dass es im Frühjahr Gas geben muss, es entwickelt sich bis zur Haupternte hin, ab der Sommersonnenwende sagt die Königin: So, jetzt geht das Jahr zu Ende. Und sie fährt mit der Legeleistung zurück. Die Bienen, die jetzt schlüpfen, werden anders ernährt, damit sie langlebig sind“, gibt Klaus Farthofer einen kleinen Einblick in das Jahr der Bienen.

Eine Arbeitsbiene lebt zwischen fünf und sechs Wochen, die Winterbiene muss zwischen drei und fünf Monaten überleben können und die Drohnen, ja, die männlichen Bienen, deren einziger Lebensinhalt es ist, die Königin zu beglücken, werden am Ende des Bienenjahres rausgeschmissen. „Das sind die Drohnenschlachten“, sagt der Imker. Wer als Laie mit Fachwissen konfrontiert wird und merkt, dass es das klitzekleine Einmaleins ist, auf das sich das wissende Gegenüber gezwungenermaßen beschränkt, erblasst leicht. Allein die Tatsache, dass ein Bienenstock immer – Sommer wie Winter – eine Betriebstemperatur von 34 bis 35 Grad hat und es die Bienen auf wundersame Weise schaffen, diese Temperatur zu halten und Hitze wie bitterer Kälte zu trotzen, macht baff. Auf sicheren Boden kehrt zurück, wer sich auf das Allgemeinwissen zurückzieht, dass Bienen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern zählen und nicht nur für den Erhalt von Wild- und Kulturpflanzen einen unbezahlbaren Beitrag leisten, sondern auch für die Erträge. Kein Wunder, dass Klaus Farthofer im Herbst 2015 an vorderster Front dabei war, als die Stadt Schwaz eine Musterblumenwiese anlegte, um den Bienen Nahrung zu geben. Damals wie heute betont der passionierte Bienenmann, dass private Gartenbesitzer schon mit zwei Quadratmetern Blumenwiese einen überaus wertvollen Lebensraum für die heimischen Honigbienen schaffen. Wertvoll ist ja auch, was sie daraus machen. Honig.

GESCHMACKSEXPLOSIONEN
Honig. Die Biene macht ihn. Er schmeckt. Und er ist gesund. So weit, so gut. Wer aber nach wie vor meint, Honig sei Honig, der irrt exorbitant. Ja, jetzt geht die Dramaturgie in die zweite Runde.

Klaus Farthofer nimmt das nächste Gläschen zur Hand und holt mit dem Löffel eine Kostprobe heraus. Die Konsistenz ist zäher als die des „normalen“ Cremehonigs, sie ist braun und kaum berührt sie Zunge und Gaumen, macht es bumm. Es ist eine Explosion, die da passiert und im Bruchteil einer Sekunde ein erstaunt-glückliches Lächeln ins Gesicht zaubert. Es erinnert fern an Nutella, doch verblasst dieser bekannte Brotaufstrich geschwind zur zuckrig-fetten Fadesse. „Das ist unser Honig mit Haselnuss – ein pures Naturprodukt aus 74 Prozent Cremehonig, 25 Prozent Haselnuss-Mousse und einem Prozent Biokakao“, erklärt Farthofer, den die Reaktion seines Gegenübers grinsen lässt. Beschränkt sie sich doch auf das Wort „wow“. Es ist das Grinsen eines Kenners, die Reaktion derer, die diesen Honig mit Haselnuss zum ersten Mal probieren, muss sich demnach ähneln. Der Geschmack lässt einen ganzheitlich zerschmelzen, dem Honig im Mund nicht unähnlich, und die Versuchung, gleich noch einen Löffel zu ergattern, ist nicht klein.

Doch nix da. Ein Schluck Wasser neutralisiert die aus den Fugen geratenen Geschmacksknospen und schon wird der nächste Löffel gereicht. Honig mit Mandel. Wieder ein dahingeschmolzenes „Wow“. Es folgt Honig mit Zimt, der alle Weihnachten wachrüttelt, und schon öffnet der Imker das Tor zu einer weiteren unbekannten Welt. In einem Drahtbügelglas präsentiert sie sich, ist mehr rot als rosé und verströmt schon kurz nach dem Öffnen ihr unverwechselbares Aroma: Erdbeere. Die dadurch geweckte Erwartung wird im Mund übertroffen. Als wäre die Essenz eines ganzen Erdbeerfeldes im Honig eingefangen worden – für genau diesen Moment. Es ist gigantisch. „Für unseren Honig mit Frucht verwenden wir ausgewählte, gefriervakuumgetrocknete Früchte“, erklärt Klaus Farthofer und die Mehrzahl, die da anklingt, lässt den Gaumen weiter frohlocken: Honig mit Aroniabeere, Himbeere, Heidelbeere, Brombeere und Sauerkirsche. Nein, wer davon überzeugt ist, dass Honig gleich Honig ist und sich „nur“ durch die Felder und Bäume und Wälder unterscheidet, in denen die Bienen zur Blüte fleißig waren, hat – das darf nach dieser Verkostung mit Fug und Recht behauptet werden – überhaupt keine Ahnung.
Mit ihren Honigprodukten, die über Essbares hinaus mit allerlei Propolis-Variationen auch die heilsamen, mit den Pflegeprodukten die wohltuenden und mit den alkoholisierten die bekömmlich beschwipsenden Sphären abdeckt, stellt die Imkerei Farthofer alles Gekannte in den Schatten. Da staunen auch die Bienen.

"AB DER

Sommersonnenwende

SAGT DIE KÖNIGIN: SO, JETZT GEHT DAS JAHR ZU ENDE."

Klaus Farthofer, Imker

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Mit jedem Schritt, der auf dem Weg zur Loas gesetzt wird, rückt eine innere Ruhe näher.

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Mit den Silberblattlkrapfen verneigen sich die Wirtsleute des Schwazer Traditionsgasthofs …

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Bis zu 70.000 Liter Saft entlockt die Obstpresse des Obst- und Gartenbauvereins Schwaz jäh…

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Kulinarische Glückseligkeit.

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Wenn Christl Höger im Nockhof über Terfens das Backrohr einheizt, wird einem warm ums Herz.

Da
staunen auch die Bienen

Bestechende Argumente und Geschmacksexplosionen.

Borstenvieh
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Wer ihren Hofladen verlässt, ist doppelt gut bestückt - mit herzhaft Gutem und gutem Gewis…